Warum Futures die Kurse bei Forex und CFDs bewegen
· 8 Min. Lesezeit
Futures, Forex und CFDs wirken wie getrennte Märkte, doch ihre Preise hängen aneinander. So funktioniert die Verbindung und so nutzt du sie beim Traden.

Wenn du auf der Plattform deines Brokers EUR/USD oder einen CFD auf den DAX kaufst, liegt der Gedanke nahe, dass der Preis genau dort entsteht. Doch hinter diesen Zahlen arbeiten noch andere Märkte, und einer der wichtigsten ist der Futures-Markt.
In diesem Artikel lernst du, wie Futures, Forex und CFDs zusammenhängen, warum ihre Preise leicht voneinander abweichen und wie du diese Verbindung beim Traden nutzt.
Drei Märkte, ein Produkt
Stell dir drei Bäckereien in derselben Straße vor, die dieselben Brezeln verkaufen. Verlangt eine plötzlich weniger, stehen alle bei ihr Schlange, und die anderen ziehen schnell nach. An den Finanzmärkten ist es genauso:
- Spot-Forex: Kauf und Verkauf von Währungen zur fast sofortigen Lieferung, zwischen Banken und Instituten, außerhalb der Börse. Laut der Triennial-Umfrage der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) lag der weltweite Devisenhandel im April 2025 bei rund 9,6 Billionen Dollar pro Tag, davon 31 % im Spot-Handel.
- Futures: ein börsengehandelter Vertrag, zu einem festen Termin in der Zukunft zu kaufen oder zu verkaufen. Die bekanntesten laufen an der CME in den USA, in Europa an der Eurex.
- CFDs (Differenzkontrakte): ein Vertrag zwischen dir und deinem Broker über die Preisdifferenz. Du besitzt den Basiswert nie, sondern bekommst nur den Gewinn oder Verlust aus der Kursänderung.
Alle drei drehen sich um dasselbe: den Preis einer Währung oder eines Index. Deshalb können sie sich nicht weit voneinander entfernen.
Verbindung 1: Währungs-Futures und der Spot-Kurs
Die CME erklärt, dass sich der Preis eines Währungs-Futures aus zwei Zutaten ergibt: dem Spot-Kurs und dem Unterschied der kurzfristigen Zinsen beider Währungen. Den Abstand zwischen Future und Spot nennt man Basis.
- Hat die zweite Währung des Paares (bei EUR/USD der Dollar) den höheren Zins, notiert der Future meist über dem Spot-Kurs.
- Ist es umgekehrt, notiert der Future darunter.
- Je näher der Verfall rückt, desto kleiner wird der Abstand; am Verfallstag treffen sich Future und Spot.
Die CME bietet sogar ein Instrument namens FX Link, das Devisen-Futures und den außerbörslichen Spot-Markt als einen einzigen Spread verbindet. Die beiden Märkte hängen also an einem gemeinsamen Seil.
Praxistipp: Laut CME werden Futures auf den japanischen Yen, den kanadischen Dollar und den mexikanischen Peso umgekehrt zum Spot-Markt notiert. Der Yen-Future zeigt zum Beispiel den Preis des Yen in Dollar. Steigt also der Chart des Yen-Futures, fällt USD/JPY meistens. Wer das nicht weiß, liest ein Signal womöglich verkehrt herum.
Verbindung 2: Index-Futures und Index-CFDs
Für Aktienindex-Futures definiert die CME einen fairen Wert (Fair Value), also den Preis, den ein Future theoretisch haben sollte:
Fairer Wert = Kassaindex × [1 + Zins × (Tage bis Verfall ÷ 360)] − Dividenden bis Verfall
Die Logik: Wer einen Future kauft, muss nicht alle Aktien sofort bezahlen, bekommt aber auch keine Dividenden. Der echte Future-Preis schwankt mit Angebot und Nachfrage um diesen Wert, und entfernt er sich zu weit, holen ihn Arbitrageure (Händler, die an Preisunterschieden zwischen Märkten verdienen) zurück.
Für dich in Deutschland besonders interessant: Der DAX-Future an der Eurex wird im fortlaufenden Handel von 2:10 bis 22:00 Uhr MEZ gehandelt, ein Punkt ist 25 Euro wert. Das ist deutlich länger als ein normaler Börsentag. Ähnlich in den USA: Die Kernhandelszeit der NYSE läuft von 9:30 bis 16:00 Uhr New Yorker Zeit, also meist von 15:30 bis 22:00 Uhr MEZ, die E-mini-S&P-500-Futures und -Optionen der CME handeln dagegen fast rund um die Uhr. Ist der Kassamarkt zu und du handelst einen Index-CFD, ist der Markt, der weiter frische Preise liefert, der Futures-Markt.
Was bringt dir das? Schau in die Kontraktspezifikationen deines Brokers, welchem Preis dein Index-CFD folgt: dem Kassaindex oder einem Future. Das beeinflusst die Zahl auf deinem Chart und das Verhalten des Kurses beim Wechsel auf den nächsten Kontraktmonat.
Die Verbindung zu anderen Märkten
Futures spiegeln andere Märkte nicht nur, sie laufen oft voraus, weil sie wach sind, wenn andere schlafen. Zwei echte Beispiele aus einem CME-Bericht:
- Die Nacht, in der Russland die Ukraine angriff (Februar 2022): Fast 560.000 E-mini-S&P-500-Optionskontrakte wurden an der CME gehandelt, bevor der US-Aktienmarkt öffnete.
- Die Bankenkrise im März 2023: Als die Nachrichten zur Silicon Valley Bank und zu den nächtlichen Notmaßnahmen der US-Behörden kamen, wurden mehr als 686.000 E-mini-S&P-500-Optionskontrakte außerhalb der US-Handelszeiten gehandelt.
Die erste Reaktion des Marktes entstand also bei den Derivaten, Stunden bevor die Kassabörse öffnete. CFDs, die außerhalb der Kassazeiten quotiert werden, tragen diese Bewegung mit.
Die Wirkung reicht auch zu anderen Indizes: Laut CME dient der S&P 500 vielen asiatischen und europäischen Indizes als Stellvertreter, und Investoren dort sichern damit ihre heimischen Indizes ab. Eine Bewegung der US-Futures in der Asien-Sitzung kann also die Stimmung auch vor dem DAX-Start prägen.
Wichtig: Dieser Zusammenhang ist weder fest noch exakt. Futures können kurzfristig etwas über oder unter dem fairen Wert handeln, und das Marktverhalten ändert sich mit den Umständen.
Rechenbeispiel mit einfachen Zahlen
Dieses Beispiel ist hypothetisch, die Zahlen sind vereinfacht.
Teil 1: Index-Future
- Kassaindex: 5.000 Punkte
- Zins: 4 % pro Jahr
- Tage bis Verfall: 90
- Dividenden bis Verfall: 12 Punkte
Fairer Wert = 5.000 × [1 + 0,04 × (90 ÷ 360)] − 12 = 5.000 × 1,01 − 12 = 5.038
Es ist also normal, dass der Future rund 38 Punkte über dem Kassaindex steht. Dieser Abstand ist kein geschenktes Geld: Er schrumpft bis zum Verfall und liegt am Verfallstag bei null. Basiert dein CFD auf Futures, kann der Wechsel auf den nächsten Kontraktmonat (mit mehr Tagen Restlaufzeit) den Kurs auf einen Schlag verschieben.
Teil 2: Währungs-Future
- EUR/USD Spot: 1,1000
- Dollarzins: 4 %; Eurozins: 2 %
- 90 Tage bis Verfall
Ungefährer Future-Preis = 1,1000 × (1 + 0,04 × 90 ÷ 360) ÷ (1 + 0,02 × 90 ÷ 360) = 1,1000 × 1,01 ÷ 1,005 ≈ 1,1055
Der Future liegt also etwa 55 Pips über dem Spot-Kurs, weil der Dollar (die zweite Währung) den höheren Zins hat. Siehst du auf einem EUR/USD-Future-Chart eine Marke wie 1,1055, übertrage sie nicht direkt auf deinen Spot-Chart, sondern zieh zuerst den Abstand ab.
So nutzt du die Verbindung beim Traden
- Vor der Kassaeröffnung auf die Futures schauen: Index-Futures geben einen Hinweis, mit welcher Stimmung der Kassamarkt starten könnte.
- Wissen, welchem Preis dein CFD folgt: Kasse oder Future, und die Rolltermine kennen.
- Bei Forex an die umgekehrten Kontrakte denken: Yen, kanadischer Dollar und mexikanischer Peso.
- Hebel ernst nehmen: In der EU begrenzt die ESMA den CFD-Hebel für Privatkunden auf 30:1 bei wichtigen Währungspaaren und 20:1 bei wichtigen Indizes und Gold, weil diese Produkte so riskant sind.
Häufige Fehler
- Marken vom Future-Chart auf den Spot-Chart kopieren: Ohne die Basis zu berücksichtigen, liegen deine Marken an der falschen Stelle.
- Yen- oder CAD-Future-Charts verkehrt herum lesen.
- Den Abstand zwischen Future und Kasse für risikolosen Gewinn halten: Er hat einen Grund, und Handelskosten fressen kleine Chancen meist auf.
- Den Kurssprung am Rolltag vergessen.
- Nächtliche Bewegungen ignorieren: Der Kassamarkt mag geschlossen sein, dein Risiko ist es nicht.
Checkliste für die Praxis
- Ich weiß, ob mein CFD seinen Preis vom Kassaindex oder vom Future bezieht.
- Verfalls- und Rolltermine stehen in meinem Kalender.
- Vor der Kassaeröffnung prüfe ich den Future auf denselben Index.
- Bei Währungs-Futures habe ich geprüft, in welche Richtung notiert wird.
- Hebel und Stop-Loss habe ich mit Blick auf nächtliche Schwankungen eingestellt.
Häufige Fragen
Warum weicht der Kurs meines Index-CFDs von der Zahl in den Nachrichten ab?
Dein CFD basiert vielleicht auf Futures statt auf dem Kassaindex. Der Abstand zwischen beiden ist die Basis, die aus Zinsen und Dividenden entsteht. Außerhalb der Kassazeiten bewegt sich der Kassaindex außerdem nicht, der Future aber schon.
Kann ich mit dem Abstand zwischen Future und Spot risikolos Geld verdienen?
Das machen meist große Institute mit sehr niedrigen Kosten, und genau ihre Aktivität hält die Preise nahe am fairen Wert. Für Privattrader sind Spread und Gebühren meist größer als diese kleinen Abstände.
Warum sollte ein Forex-Trader auf Währungs-Futures schauen?
Weil Futures an der Börse gehandelt werden und ihr Preis an den Spot-Kurs gekoppelt ist. Ein Blick darauf vervollständigt das Bild. Vergiss nur die Basis und die Notierungsrichtung nicht.
Fazit
Forex, Futures und CFDs sind wie drei Bäckereien in derselben Straße, die dieselben Brezeln verkaufen. Ihre Preisabstände haben Gründe: Zinsen, Dividenden und die Zeit bis zum Verfall. Weil Futures fast rund um die Uhr handeln, schlagen Nachrichten oft zuerst dort auf den Preis durch. Wenn du weißt, woher dein CFD seinen Preis bezieht, und die Basis einrechnest, wirst du deutlich seltener überrascht.
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In Anlehnung an: CME Group (FX-Basis, FX Link, Handel außerhalb der US-Zeiten), Eurex, NYSE, BIZ und ESMA
Trading ist mit einem erheblichen Verlustrisiko verbunden. Dieser Beitrag dient ausschließlich der Bildung und ist keine Finanzberatung.
