Forex einfach erklärt: So funktioniert der Devisenmarkt
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Forex heißt, eine Währung gegen eine andere zu handeln. Einfach erklärt: Währungspaare, Pips, Spread, Lots und Hebel und was Zinsen und Gold damit zu tun haben.

Wenn du vor dem USA-Urlaub bei der Bank oder in der Wechselstube Euro in Dollar getauscht hast, kennst du die zwei Kurse auf der Tafel: Ankauf und Verkauf. Die Wechselstube kauft dir deine Dollar billiger ab, als sie sie dir verkauft. Forex ist genau dasselbe Spiel, nur weltweit und blitzschnell.
In diesem Artikel lernst du ganz einfach, was Forex ist, wie du die Kurse liest, wann am meisten los ist, was der Hebel macht und wie dieser Markt mit den anderen zusammenhängt.
Was ist Forex?
Forex steht für "Foreign Exchange", also Devisenhandel. Hier handelst du immer eine Währung gegen eine andere. Deshalb heißt jedes Symbol Währungspaar.
Nimm EURUSD:
- EUR (Euro) ist die Basiswährung, also das, was du kaufst oder verkaufst.
- USD (Dollar) ist die Gegenwährung, in der der Preis angegeben wird.
Steht EURUSD bei 1,1000, kostet ein Euro 1,10 Dollar. Glaubst du, dass der Euro gegenüber dem Dollar stärker wird, kaufst du. Glaubst du, dass er schwächer wird, verkaufst du. Beim Forex ist Verkaufen genauso einfach wie Kaufen.
Den Kurs lesen: Pips und Spread
Pips
Ein Pip ist die kleine Einheit der Kursbewegung. Bei den meisten Paaren ist ein Pip die vierte Nachkommastelle (0,0001). Bei Paaren mit dem japanischen Yen ist es die zweite Nachkommastelle (0,01).
Steigt EURUSD also von 1,1000 auf 1,1020, ist der Kurs um 20 Pips gestiegen.
Der Spread
Erinnerst du dich an die zwei Kurse in der Wechselstube? Beim Forex gibt es auch immer zwei Preise:
- Ask (Briefkurs): der Preis, zu dem du kaufst, etwas höher.
- Bid (Geldkurs): der Preis, zu dem du verkaufst, etwas niedriger.
Der Abstand dazwischen ist der Spread, im Grunde die Gebühr, die du beim Eröffnen eines Trades sofort bezahlst. Je mehr im Markt los ist, desto kleiner ist der Spread meistens.
Warum ist Forex so groß?
Laut der neuesten Umfrage der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) wurden im April 2025 pro Tag rund 9,6 Billionen Dollar am Devisenmarkt gehandelt. Der Dollar war bei etwa 89 Prozent aller Geschäfte auf einer Seite dabei, danach folgten Euro und Yen. Der Euro, deine eigene Währung, ist also die Nummer zwei der Welt.
Wer steckt hinter diesem Volumen? Großbanken, Unternehmen, die importieren und exportieren, Fonds, Staaten und natürlich Trader wie du. Laut derselben Umfrage finden etwa 75 Prozent des Handels an vier Standorten statt: Großbritannien, USA, Singapur und Hongkong. Deshalb ist am meisten los, wenn London und New York gleichzeitig offen sind.
Wann ist der Markt offen?
Forex ist kein Gebäude mit einer Tür. Der Handel wandert von einem Finanzplatz zum nächsten und läuft von Montagfrüh bis Freitagnacht rund um die Uhr. Die vier Hauptsitzungen sehen ungefähr so aus (deutsche Zeit, MEZ; bei der Zeitumstellung verschiebt sich manches um etwa eine Stunde):
- Sydney: etwa 23:00 bis 08:00 Uhr
- Tokio: etwa 01:00 bis 10:00 Uhr
- London: etwa 09:00 bis 18:00 Uhr
- New York: etwa 14:00 bis 23:00 Uhr
Am meisten los ist, wenn sich London und New York überschneiden, also etwa von 14:00 bis 18:00 Uhr deutscher Zeit. Dann sind die Bewegungen meist ernsthafter und die Spreads enger.
Lots, Hebel und Margin, einfach erklärt
- Lot: die Größe deines Trades. Ein Standard-Lot sind 100.000 Einheiten der Basiswährung, ein Mini-Lot 10.000 Einheiten. Bei einem Mini-Lot EURUSD ist jeder Pip etwa 1 Dollar wert.
- Hebel: Du handelst einen größeren Betrag, als du selbst einsetzt. Ein Hebel von 30:1 bedeutet, dass jeder Dollar 30 Dollar bewegt.
- Margin: das Geld, das dein Broker als Sicherheit zurückhält, damit der Trade offen bleibt, so wie die Kaution beim Mietwagen.
Denk daran: Der Hebel vergrößert nicht nur Gewinne, sondern Verluste genauso. Deshalb hat die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) den Hebel für Privatkunden bei den wichtigsten Währungspaaren auf 30:1 begrenzt. Das gilt auch für dich in Deutschland, Österreich und den anderen EU-Ländern.
Praxisbeispiel: ein Trade auf EURUSD
Dieses Beispiel ist hypothetisch und dient nur dem besseren Verständnis.
- EURUSD steht bei 1,1000 und du glaubst, dass der Euro stärker wird.
- Du kaufst ein Mini-Lot (10.000 Euro). Dieser Trade ist etwa 11.000 Dollar wert.
- Mit Hebel 30:1 brauchst du etwa 367 Dollar Margin (11.000 geteilt durch 30).
- Deinen Stop setzt du 30 Pips tiefer auf 1,0970. Jeder Pip ist 1 Dollar wert, dein Risiko liegt also bei 30 Dollar.
- Dein Ziel setzt du 60 Pips höher auf 1,1060. Wird es erreicht, verdienst du 60 Dollar.
Merkst du etwas? Schon vor dem Einstieg weißt du genau, was im schlimmsten Fall passiert. Das ist professionelles Trading und kein Glücksspiel.
Wie Forex mit anderen Märkten zusammenhängt
Forex steht im Zentrum aller Märkte. Ein paar wichtige Verbindungen:
- Zinsen und Währungen: Wenn eine Zentralbank die Zinsen erhöht, fließt meist mehr Geld in dieses Land, um die höhere Rendite mitzunehmen, und die Währung wird tendenziell stärker. Deshalb bewegen die Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt und der US-Notenbank Fed den EURUSD so stark.
- Dollar und Gold: Gold wird in Dollar bewertet, und laut World Gold Council hat sich Gold historisch meist gegen den Dollar bewegt. Wenn du Gold handelst, behalte den Dollar im Auge.
- An den Dollar gebundene Währungen: Manche Währungen bewegen sich kaum. Der Dirham der Vereinigten Arabischen Emirate ist seit 1997 bei 3,6725 pro Dollar fixiert, der saudische Riyal seit 1986 bei 3,75. Sie laufen also einfach mit dem Dollar mit.
Diese Zusammenhänge sind keine festen Regeln. Ägypten, bei Urlaubern sehr beliebt, hat im März 2024 seine Währung freigegeben, und das ägyptische Pfund fiel an einem einzigen Tag von etwa 30,9 auf etwa 50 Pfund pro Dollar. Selbst ein Verhältnis, das jahrelang stabil wirkte, kann sich über Nacht ändern.
Häufige Fehler
- Hoher Hebel ab dem ersten Tag: Mit viel Hebel kann schon eine kleine Bewegung einen großen Teil deines Kontos kosten.
- Handeln in ruhigen Stunden: Zu manchen Tageszeiten ist wenig los und die Spreads werden breiter.
- Den Wirtschaftskalender ignorieren: Zins- und Arbeitsmarktdaten können den Kurs in Minuten um Dutzende Pips bewegen.
- Den Spread vergessen: Bei 3 Pips Spread startet dein Trade mit 3 Pips im Minus.
- Zehn Paare gleichzeitig: Lerne zuerst ein oder zwei Hauptpaare richtig kennen.
Praktische Checkliste
- Ich habe mein Währungspaar gewählt und weiß, welche die Basiswährung ist.
- Ich kenne die aktivsten Handelszeiten in meiner Zeitzone.
- Ich habe ausgerechnet, was ein Pip bei meiner Positionsgröße wert ist.
- Stop und Ziel stehen, bevor ich einsteige.
- Ich habe den Wirtschaftskalender für heute angeschaut.
Häufige Fragen
Mit welchem Paar fange ich am besten an?
Meist mit einem Hauptpaar wie EURUSD, weil es riesige Umsätze, einen kleinen Spread und überall Informationen gibt. Als Euro-Nutzer verstehst du dieses Paar außerdem ganz intuitiv.
Wie viel Geld brauche ich für den Start?
Du kannst klein anfangen, aber die richtige Positionsgröße ist wichtiger als der Betrag. Handle so, dass ein Verlusttrade nur einen kleinen Teil deines Kontos kostet.
Was ist der Unterschied zur Wechselstube?
In der Wechselstube nimmst du das Bargeld wirklich mit nach Hause. Beim Forex-Trading handelst du meist nur die Kursänderung und bekommst keine Währung ausgezahlt.
Warum springen die Kurse spät abends manchmal?
Weil zu bestimmten Zeiten weniger Trader aktiv sind. Der Markt wird dünner und die Spreads werden breiter.
Fazit
Forex heißt, eine Währung gegen eine andere zu handeln: dasselbe wie in der Wechselstube, nur im größten Markt der Welt. Wenn du Währungspaare, Pips, Spread, Lots und Hebel verstehst und weißt, wann viel los ist, hast du die halbe Strecke geschafft. Die andere Hälfte sind Risikomanagement und Geduld.
Wenn du Schritt für Schritt mit echten Beispielen lernen willst, schau dir die kostenlosen Kurse an und wirf einen Blick auf die Profi-Tools unter Software.
In Anlehnung an: BIZ, Charles Schwab, ESMA, CMC Markets, Gulf News, SAMA, WAM und World Gold Council
Trading ist mit einem erheblichen Verlustrisiko verbunden. Dieser Artikel dient nur der Bildung und ist keine Finanzberatung.
