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CFDs einfach erklärt: Handeln, ohne den Basiswert zu besitzen

· 7 Min. Lesezeit

Ein CFD ist eine Abmachung mit deinem Broker über eine Preisdifferenz. So funktioniert er, das kostet er und darum hängt er am Basiswert.

Stell dir vor, du und ein Freund schaut euch beide eine Goldmünze an, zum Beispiel einen Krügerrand. Keiner von euch kauft sie. Ihr macht nur aus: "Steigt der Preis bis nächsten Monat, zahlst du mir die Differenz; fällt er, zahle ich dir." Genau so funktioniert ein CFD, nur dass dein "Freund" dein Broker ist.

In diesem Artikel lernst du ganz einfach, was ein CFD ist, wie Gewinn und Verlust berechnet werden, welche Kosten anfallen, warum die meisten CFD-Trader verlieren und wie der CFD mit dem echten Markt verbunden bleibt.

Was ist ein CFD?

CFD steht für "Contract for Difference", auf Deutsch Differenzkontrakt. Wie das offizielle australische Verbraucherportal Moneysmart erklärt, ist ein CFD ein Derivat: Sein Wert ergibt sich aus dem Preis eines anderen Werts. Dir gehört dieser Basiswert nicht und du hast keine Rechte daran.

Der wichtigste Punkt: Ein CFD wird in der Regel nicht an einer Börse gehandelt. Er ist ein Vertrag direkt zwischen dir und deinem Broker. Dein Broker ist also die Gegenseite deines Trades.

Mit CFDs kannst du fast alles handeln: Währungspaare, Gold, Öl, Aktienindizes wie den DAX, Einzelaktien und sogar Krypto.

So werden Gewinn und Verlust berechnet

Du hast zwei Möglichkeiten:

  • Kaufen (Long): Steigt der Kurs, zahlt dir der Broker die Differenz. Fällt er, zahlst du dem Broker.
  • Verkaufen (Short): Fällt der Kurs, verdienst du. Steigt er, verlierst du.

Mit einem CFD kannst du also auf fallende Kurse genauso leicht setzen wie auf steigende. Das ist einer der Gründe, warum CFDs so beliebt sind.

Der Hebel: starker Motor, schwache Bremsen

Die meisten CFDs werden mit Hebel gehandelt: Du hinterlegst nur einen kleinen Teil des Positionswerts als Sicherheit, die sogenannte Margin.

Für Privatkunden in der EU hat die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) diese Obergrenzen festgelegt:

  • Wichtige Währungspaare: 30:1
  • Andere Währungspaare, Gold und wichtige Indizes: 20:1
  • Andere Rohstoffe und kleinere Indizes: 10:1
  • Einzelaktien: 5:1
  • Krypto: 2:1

Mehr Hebel bedeutet schnellere Verluste, nicht automatisch höhere Gewinne.

Die Kosten, an die kaum jemand denkt

Moneysmart warnt, dass die Kosten bei CFDs hoch sein können:

  • Spread: der Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs.
  • Kommission: bei manchen Kontomodellen.
  • Übernachtfinanzierung: Hältst du eine Position über Nacht, zahlst du meist für jede Nacht eine Gebühr. Bei Trades, die wochenlang offen bleiben, frisst das einen großen Teil des Gewinns.

Warum verlieren die meisten CFD-Trader?

Die ESMA berichtete, dass nationale Aufsichtsbehörden bei 74 bis 89 Prozent der CFD-Konten von Privatkunden Verluste festgestellt haben. Moneysmart sagt es ganz direkt: Die meisten Menschen verlieren beim CFD-Handel Geld.

Die Hauptgründe sind hoher Hebel, versteckte Kosten und emotionales Handeln. Deutschland war hier sogar früher dran als der Rest Europas: Die BaFin hat 2017 per Allgemeinverfügung verboten, Privatkunden CFDs mit Nachschusspflicht anzubieten. Seit August 2017 kann dein Verlust also nicht mehr über dein eingesetztes Kapital hinausgehen. Die EU-Regeln schreiben außerdem vor, dass der Broker deine Positionen schließen muss, wenn dein Guthaben auf 50 Prozent der nötigen Margin fällt.

Praxisbeispiel: ein Gold-CFD

Dieses Beispiel ist hypothetisch und die Zahlen sind vereinfacht.

  • Gold kostet 2.000 Dollar pro Unze und du eröffnest einen Kauf-CFD über 10 Unzen. Das ist eine Position von 20.000 Dollar.
  • Mit Hebel 20:1 brauchst du 1.000 Dollar Margin.
  • Steigt Gold auf 2.030, verdienst du 300 Dollar: 30 Prozent deiner Margin bei nur 1,5 Prozent Kursbewegung.
  • Fällt Gold auf 1.970, verlierst du dieselben 300 Dollar.
  • Besteht dein ganzes Konto nur aus diesen 1.000 Dollar und Gold fällt auf 1.950, beträgt dein Verlust 500 Dollar, und nach EU-Regeln wird die Position automatisch geschlossen.
  • Angenommen, die Übernachtgebühr beträgt 3 Dollar und du hältst 10 Nächte: Weitere 30 Dollar gehen von deinem Konto ab.

Eine kleine Bewegung von 2,5 Prozent hat also dein halbes Konto gekostet. Das ist die Kraft und die Gefahr des Hebels.

Wie CFDs mit anderen Märkten zusammenhängen

Ein CFD ist kein eigener Markt, sondern ein Schatten des echten Markts. Sein Preis kommt vom Basiswert, und was den Basiswert bewegt, bewegt auch deinen CFD:

  • Gold-CFD und Dollar: Gold wird in Dollar bewertet, und laut World Gold Council hat sich Gold historisch meist gegen den Dollar bewegt. Wer einen Gold-CFD hält, sollte den Dollar beobachten. Für dich als Euro-Anleger kommt noch der Wechselkurs EURUSD dazu.
  • Index-CFD und Wirtschaftsnachrichten: Ein CFD auf den S&P 500 oder den DAX folgt dem Index selbst. Große Nachrichten, etwa Zinsentscheidungen der EZB oder der Fed, treffen ihn direkt.
  • Krypto-CFD und Aktienmarkt: Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat gezeigt, dass die Korrelation zwischen Bitcoin und dem S&P 500 von fast null in den Jahren 2017 bis 2019 auf 0,36 in den Jahren 2020 und 2021 gestiegen ist. Ein Bitcoin-CFD ist also nicht mehr vom Aktienmarkt abgekoppelt.

Diese Zusammenhänge sind keine festen Regeln und ändern sich mit der Zeit. Eines bleibt aber immer gleich: Ein CFD folgt stets seinem Basiswert.

Häufige Fehler

  • Den höchstmöglichen Hebel wählen: Es fühlt sich nach mehr Gewinn an, leert aber in der Praxis dein Konto schneller.
  • Übernachtgebühren ignorieren: Ein wochenlang offener Trade wird still und leise teuer.
  • Den Broker nicht prüfen: Wenn der Broker deine Gegenseite ist, sind Zulassung und Ruf wichtiger als alles andere.
  • Ohne Stop handeln: Bei CFDs erzeugen kleine Bewegungen große Verluste.
  • Den Basiswert vergessen: Du handelst einen Gold-CFD, weißt aber nicht, was der Dollar macht.

Praktische Checkliste

  • Ich weiß, wer mein Broker ist, wer ihn beaufsichtigt und wie Kundengelder geschützt sind.
  • Ich habe meinen Hebel selbst gewählt, statt die Voreinstellung zu übernehmen.
  • Ich weiß, was 1 Prozent Kursbewegung für mein Konto bedeutet.
  • Ich habe die Übernachtgebühr für mein Instrument geprüft.
  • Vor dem Einstieg habe ich meinen Stop und meinen maximalen Verlust aufgeschrieben.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zum Kauf von echtem Gold oder echten Aktien?

Beim echten Kauf gehört dir der Wert. Beim CFD hast du nur einen Vertrag mit deinem Broker über die Kursänderung und besitzt nichts.

Kann ich mehr verlieren, als auf meinem Konto ist?

Als Privatkunde in Deutschland und der EU nicht: Die BaFin hat die Nachschusspflicht verboten, und die EU-Regeln begrenzen den Verlust auf dein Kontoguthaben. Bei Brokern außerhalb der EU hängt das von deren Regeln ab, also frag unbedingt vorher nach.

Eignen sich CFDs eher für kurzfristiges oder langfristiges Trading?

Wegen der Übernachtfinanzierung werden CFDs meist kurzfristig genutzt. Wenn du lange halten willst, rechne die Kosten genau durch.

Warum ist mein Broker die Gegenseite meines Trades?

Weil CFDs meist nicht an einer Börse gehandelt werden, sondern ein direkter Vertrag zwischen dir und dem Broker sind. Deshalb ist die Wahl eines seriösen, regulierten Brokers so wichtig.

Fazit

CFDs sind ein schneller und einfacher Weg, auf den Preis von fast allem zu handeln, ohne den Wert zu kaufen. Aber die Einfachheit täuscht: Hebel, Übernachtgebühren und der Broker als Gegenpartei machen sie zu einem der riskantesten Werkzeuge für Einsteiger. Wenn du sie nutzt, starte mit wenig Hebel, klarem Stop und einem regulierten Broker.

Wenn du Risikomanagement Schritt für Schritt lernen willst, schau dir die kostenlosen Kurse an und wirf einen Blick auf die Profi-Tools unter Software.

In Anlehnung an: Moneysmart, ESMA, beck-aktuell (BaFin), IWF und World Gold Council

Trading ist mit einem erheblichen Verlustrisiko verbunden. Dieser Artikel dient nur der Bildung und ist keine Finanzberatung.

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