Optionen einfach erklärt: Was sind Calls und Puts?
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Eine Option ist das Recht, nicht die Pflicht, zu einem festen Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Einfach erklärt: Calls, Puts, DAX-Optionen und der VIX.

Stell dir vor, du hast beim Autohaus deinen Wunsch-Neuwagen gefunden, bist dir aber noch nicht ganz sicher. Du leistest eine kleine Reservierungsgebühr, die du nicht zurückbekommst, und das Autohaus hält dir den heutigen Preis einen Monat lang. Steigen in der Zeit die Preise, kaufst du trotzdem zum alten Preis und hast gewonnen. Fallen sie, trittst du zurück und verlierst nur die Gebühr. Genau das ist eine Option.
In diesem Artikel lernst du ganz einfach, was Optionen sind, worin sich Calls und Puts unterscheiden, welches Risiko Käufer und Verkäufer tragen und wie Optionen mit dem restlichen Markt zusammenhängen.
Was ist eine Option?
Investor.gov, das Anlegerportal der US-Börsenaufsicht SEC, erklärt: Eine Option gibt dem Käufer das Recht, aber nicht die Pflicht, einen Wert zu einem festen Preis innerhalb einer bestimmten Zeit zu kaufen oder zu verkaufen.
Ein paar wichtige Begriffe:
- Basispreis (Strike): der Preis, auf den sich das Recht bezieht, wie der Preis in deiner Reservierung.
- Verfall: der letzte Tag, an dem du das Recht nutzen kannst.
- Prämie: was du für das Recht bezahlst, also die Reservierungsgebühr.
- Kontraktgröße: Bei der DAX-Option (ODAX) an der Eurex ist jeder Indexpunkt 5 Euro wert.
Calls und Puts: zwei Arten von Rechten
Ein Call ist das Recht zu kaufen
Wenn du steigende Kurse erwartest, kaufst du einen Call. Die Reservierung beim Autohaus oben ist ein Call: das Recht, zum heutigen Preis zu kaufen.
Ein Put ist das Recht zu verkaufen
Stell dir einen Put wie eine Vollkaskoversicherung für dein Depot vor. Du zahlst einen kleinen Betrag, damit ein großer Schaden abgedeckt ist. Fällt der Kurs stark, darfst du mit einem Put zum vorher festgelegten, höheren Preis verkaufen.
Das Risiko von Käufer und Verkäufer
Jede Option hat einen Käufer und einen Verkäufer (Stillhalter):
- Der Käufer zahlt die Prämie und bekommt das Recht. Mehr als die Prämie kann er nicht verlieren.
- Der Verkäufer kassiert die Prämie und übernimmt die Pflicht. Mehr als die Prämie kann er nicht verdienen, sein Risiko kann aber sehr groß sein. Wer zum Beispiel einen Call verkauft, hat theoretisch unbegrenztes Verlustrisiko, wenn der Kurs immer weiter steigt.
Deshalb wird Einsteigern meist geraten, auf der Käuferseite und mit kleinen Beträgen anzufangen.
Praxisbeispiel: DAX-Optionen
Dieses Beispiel ist hypothetisch und die Zahlen sind vereinfacht.
DAX-Optionen an der Eurex werden in bar abgerechnet und haben einen Wert von 5 Euro pro Indexpunkt.
Einen Call kaufen
- Der DAX steht bei 20.000 Punkten und du erwartest bis zum nächsten Monatsverfall steigende Kurse.
- Du kaufst einen Call mit Basispreis 20.000. Die Prämie beträgt 300 Punkte, also 300 mal 5 Euro gleich 1.500 Euro.
- Break-even: 20.300 Punkte (Basispreis plus Prämie).
- Steht der DAX beim Verfall bei 20.600, ist dein Call 600 Punkte wert, also 3.000 Euro. Reingewinn: 1.500 Euro.
- Steht der DAX unter 20.000, verfällt der Call wertlos und du verlierst die 1.500 Euro, aber keinen Cent mehr.
Einen Put als Versicherung kaufen
- Du hast ein Depot mit DAX-ETFs im Wert von rund 100.000 Euro. Bei 20.000 Punkten entspricht ein ODAX-Kontrakt genau dieser Größe (20.000 mal 5 Euro).
- Du kaufst einen Put mit Basispreis 19.000 für 150 Punkte, also 750 Euro.
- Fällt der DAX um 15 Prozent auf 17.000, verliert dein Depot etwa 15.000 Euro. Der Put ist dann 2.000 Punkte wert, also 10.000 Euro. Unterm Strich verlierst du rund 5.750 Euro statt 15.000 Euro.
Siehst du? Der Put hat den Absturz nicht verhindert, aber aus einem großen Schaden einen kleineren gemacht, genau wie eine Versicherung.
Wie groß ist der Optionsmarkt?
Riesig und wachsend. Die OCC, die zentrale Clearingstelle für börsengehandelte Optionen in den USA, hat 2025 rund 15,3 Milliarden Kontrakte abgewickelt, nach etwa 12 Milliarden im Jahr 2024. Jeden Tag wechseln Millionen Optionskontrakte den Besitzer, und dieses Volumen wirkt auf den ganzen Markt.
Wie Optionen mit anderen Märkten zusammenhängen
- Das "Angstbarometer" VIX entsteht aus Optionen. Die Börse Cboe berechnet den VIX aus den Preisen von Optionen auf den S&P 500. Er zeigt, wie stark der Markt in den nächsten 30 Tagen schwanken dürfte. Fallen die Aktien, steigt meist die Nachfrage nach Puts, also nach Versicherungen, und der VIX steigt mit. Deshalb heißt er Angstbarometer. Für den deutschen Markt gibt es mit dem VDAX-NEW ein ähnliches Barometer auf Basis von DAX-Optionen.
- Angst ist ansteckend. Steigt der VIX, ziehen sich Anleger meist aus riskanteren Anlagen zurück; das spürst du bei Aktienindizes wie dem DAX, bei riskanteren Währungen und sogar bei Krypto. Auch wenn du nie Optionen handelst, ist der VIX also ein kostenloses Thermometer für die Marktstimmung.
- Viel Optionshandel kann Kurse bewegen. Bei so vielen Kontrakten müssen die Verkäufer ihr Risiko absichern, und diese Absicherung kann Aktien- und Indexkurse bewegen. Dazu gibt es einen eigenen Artikel.
Diese Zusammenhänge sind keine festen Regeln; manchmal steigen Aktien und VIX gleichzeitig. Nutze sie, um den Markt besser zu verstehen, nicht um ihn vorherzusagen.
Häufige Fehler
- Extrem billige, weit entfernte Optionen kaufen: Sie sind billig, weil die Chance auf Gewinn klein ist.
- Die Zeit vergessen: Optionen verfallen, und je näher der Verfall rückt, desto mehr schmilzt ihr Zeitwert.
- Optionen verkaufen, ohne das Risiko zu verstehen: Prämien einzunehmen ist verlockend, aber die Verluste des Stillhalters können sehr groß sein.
- Den Multiplikator vergessen: 300 Punkte Prämie beim ODAX bedeuten 1.500 Euro, nicht 300.
- Optionen nur als Glücksspiel sehen: Eine ihrer Hauptaufgaben ist, bestehende Anlagen abzusichern.
Praktische Checkliste
- Ich weiß, ob ich einen Call oder einen Put kaufe, und warum.
- Ich habe Basispreis, Verfallstermin und Kontraktgröße geprüft.
- Ich habe meinen Break-even ausgerechnet.
- Ich kenne meinen maximalen Verlust.
- Ich habe mir VIX bzw. VDAX und die allgemeine Marktstimmung angesehen.
Häufige Fragen
Sind Optionen etwas für Einsteiger?
Das Kaufen von Optionen hat ein begrenztes Risiko, aber die Konzepte sind etwas komplexer als einfaches Kaufen und Verkaufen. Übe zuerst mit sehr kleinen Beträgen oder einem Demokonto.
Muss ich den Basiswert wirklich kaufen oder verkaufen?
Nein. Du kannst die Option selbst vor dem Verfall verkaufen und deinen Gewinn oder Verlust mitnehmen. DAX-Optionen werden ohnehin in bar abgerechnet.
Warum verliert eine Option mit der Zeit an Wert?
Ein Teil des Optionspreises ist der Wert der verbleibenden Zeit. Je näher der Verfall, desto weniger Zeit bleibt für eine Kursbewegung, und dieser Wert schrumpft.
Heißt ein hoher VIX, dass ich alles verkaufen sollte?
Nicht unbedingt. Ein hoher VIX bedeutet, dass der Markt größere Schwankungen erwartet. Er ist ein Zeichen, vorsichtiger und mit kleineren Positionen zu handeln.
Fazit
Eine Option bedeutet, ein Recht zu kaufen, keine Pflicht: Ein Call ist das Recht zu kaufen, ein Put das Recht zu verkaufen. Käufer können höchstens die Prämie verlieren, Verkäufer tragen größere Risiken. Optionen sind Werkzeuge für Gewinn und für Absicherung, und das Angstbarometer des Marktes, der VIX, entsteht direkt aus ihnen.
Wenn du Schritt für Schritt lernen willst, schau dir die kostenlosen Kurse an und wirf einen Blick auf die Profi-Tools unter Software.
In Anlehnung an: Investor.gov, Options Industry Council, Eurex, Deutsche Börse, OCC und Cboe
Trading ist mit einem erheblichen Verlustrisiko verbunden. Dieser Artikel dient nur der Bildung und ist keine Finanzberatung.
