Die Landkarte der Finanzmärkte: Aktien, Forex, Rohstoffe, Krypto
· 8 Min. Lesezeit
Stell dir die Finanzmärkte wie die Gänge eines großen Supermarkts vor: Aktien, Forex, Rohstoffe, Krypto und Derivate. Einfach erklärt und wie alles zusammenhängt.

Stell dir einen großen Supermarkt vor. In einem Gang gibt es Obst und Gemüse, im nächsten Milchprodukte, im nächsten Süßigkeiten. Jeder Gang hat seine eigenen Produkte und Kunden, aber alle liegen unter einem Dach, und wenn etwas Großes passiert, zum Beispiel ein Lieferstreik, merkt das jeder Gang.
Finanzmärkte funktionieren genauso. In diesem Artikel machen wir zusammen einen Rundgang durch diesen "großen Supermarkt": Du siehst, was in jedem Gang steht, warum das für dich wichtig ist und wie alles zusammenhängt.
Zuerst eine einfache Frage: Was wird überhaupt gehandelt?
Zwei Arten von Dingen:
- Der Wert selbst: eine Aktie eines Unternehmens, eine Währung, eine Goldmünze oder ein Bitcoin.
- Ein Vertrag auf den Preis dieses Werts: Hier bekommst du das Ding selbst nie; du handelst nur darauf, ob der Preis steigt oder fällt. Diese Verträge heißen Derivate, weil ihr Preis von einem anderen Preis "abgeleitet" wird.
Merk dir diese einfache Aufteilung. Der Rest der Landkarte baut darauf auf.
Gang 1: Aktien und Indizes
Wenn du eine Aktie kaufst, gehört dir ein kleines Stück des Unternehmens. Wächst das Unternehmen, steigt meist auch der Wert deiner Aktie.
Ein Index ist ein Korb aus Aktien, der die allgemeine Stimmung eines Marktes zeigt. Der S&P 500 zum Beispiel bildet fünfhundert große US-Unternehmen ab, der Nasdaq ist stark auf Technologiefirmen ausgerichtet.
Warum ist das wichtig für dich? Selbst wenn du nie Aktien handelst, sind Indizes wie ein Thermometer. Fallen die großen US-Indizes, ist meist der ganze Markt nervös.
Gang 2: Forex (Währungen)
Forex bedeutet, Währungen gegeneinander zu handeln, zum Beispiel den Euro gegen den Dollar (EURUSD). Du vergleichst dabei immer eine Währung mit einer anderen.
Es ist der größte Markt der Welt. Laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) wurden im April 2025 pro Tag rund 9,6 Billionen Dollar am Devisenmarkt gehandelt. Noch spannender: Der Dollar war bei etwa 89 Prozent aller Devisengeschäfte auf einer Seite beteiligt, also steckt fast in jedem Trade der Dollar.
Warum ist das wichtig für dich? Der Devisenmarkt ist an etwa fünf Tagen pro Woche rund um die Uhr offen, und Wirtschaftsnachrichten wirken dort sehr schnell.
Gang 3: Rohstoffe
Rohstoffe sind Grundgüter, die überall auf der Welt gleich sind: Gold, Silber, Öl, Gas, Weizen und Kupfer.
- Gold gilt für viele als sicherer Hafen, wenn sie Angst haben.
- Öl hängt mit fast der ganzen Wirtschaft zusammen: Transport, Fabriken und die Preise vieler Alltagsgüter.
Warum ist das wichtig für dich? Bewegungen bei Gold und Öl sagen oft viel über den Zustand der Wirtschaft und die Angst im Markt aus.
Gang 4: Krypto
Krypto steht für digitale Währungen wie Bitcoin und Ether. Dieser Markt ist 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche offen und schwankt meist viel stärker als andere Märkte: Es geht schnell rauf und schnell runter.
Warum ist das wichtig für dich? Große Chancen, großes Risiko. Wenn du neu bist, übe mit sehr kleinen Positionen.
Derivate: Futures, Optionen und CFDs
Jetzt zu den Verträgen. Sie sind kein eigenes Produkt, sondern ein weiterer "Eingang" zu denselben Gängen.
Futures
Die US-Aufsicht für Terminmärkte (CFTC) beschreibt einen Future als Vereinbarung, etwas an einem festen Datum in der Zukunft zu kaufen oder zu verkaufen, wobei Preis und Menge schon heute feststehen. Wie eine Vorbestellung. Futures werden an Börsen gehandelt und haben eine feste Größe und ein festes Datum. Interessant: Die meisten Futures werden vor dem Liefertermin geschlossen, viele Trader wollen die Ware also gar nicht haben, sondern handeln nur den Preis.
Optionen
Investor.gov erklärt, dass eine Option dem Käufer das Recht, aber nicht die Pflicht gibt, einen Wert zu einem festen Preis innerhalb einer bestimmten Zeit zu kaufen oder zu verkaufen. Wie eine Anzahlung: Du zahlst einen kleinen Betrag, um dir das Kaufrecht zu sichern. Überlegst du es dir anders, verlierst du nur diese Anzahlung.
CFDs
Ein CFD ist ein Vertrag zwischen dir und deinem Broker, bei dem nur die Preisdifferenz ausgeglichen wird. Dir gehört weder das Gold noch die Aktie; du bekommst nur den Gewinn oder Verlust aus der Preisänderung. Meist ist ein Hebel dabei, du bewegst also mit wenig Geld eine größere Position.
Eine ernste Warnung: Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) berichtete, dass nationale Aufsichtsbehörden bei 74 bis 89 Prozent der CFD-Konten von Privatkunden Verluste festgestellt haben. Hauptgrund: zu hoher Hebel. Deshalb hat Europa den Hebel bei CFDs begrenzt.
Praxisbeispiel: ein Wert, vier Eingänge
Dieses Beispiel ist hypothetisch und die Zahlen sind vereinfacht.
Angenommen, Gold kostet 2.000 Dollar pro Unze und du glaubst, dass es steigt. Du hast vier Möglichkeiten:
- Echtes Gold kaufen: Du zahlst 2.000 Dollar und bekommst eine Unze. Steigt der Preis um 1 Prozent auf 2.020, verdienst du 20 Dollar, also 1 Prozent deines Geldes.
- Gold-CFD mit Hebel 1:10: Für dieselbe Unze hinterlegst du nur 200 Dollar als Margin. Derselbe Gewinn von 20 Dollar sind jetzt 10 Prozent deines Geldes. Fällt der Preis aber um 1 Prozent, verlierst du 10 Prozent deines Geldes. Der Hebel vergrößert beide Seiten.
- Gold-Futures: Wie beim CFD handelst du den Preis, aber an einer Börse mit einem Standardvertrag. Ein Kontrakt ist meist größer und braucht mehr Kapital.
- Eine Gold-Call-Option: Du zahlst zum Beispiel 15 Dollar Anzahlung für das Recht, zu 2.000 zu kaufen. Steht Gold beim Verfall bei 2.020, ist dieses Recht 20 Dollar wert und du hast 5 Dollar verdient. Fällt Gold, verlierst du höchstens diese 15 Dollar.
Siehst du? Das Produkt ist dasselbe, aber Risiko und Kapitalbedarf sind bei jedem Eingang anders.
Wie die Märkte zusammenhängen: alles unter einem Dach
Das ist der wichtigste Teil der Landkarte. Die Gänge sind nicht getrennt:
- Der Dollar steht im Zentrum. Wenn der Dollar an 89 Prozent der Devisengeschäfte beteiligt ist, bewegt alles, was den Dollar bewegt, den ganzen Devisenmarkt. Auch Gold wird in Dollar bewertet, und laut World Gold Council hat sich Gold historisch meist gegen den Dollar bewegt.
- Derivate sind Schatten des Hauptmarkts. Die Preise von Futures, Optionen und CFDs kommen vom Preis des Basiswerts. Was Gold oder einen Index bewegt, bewegt also auch diese Verträge.
- Krypto ist keine Insel mehr. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat gezeigt, dass die Korrelation zwischen Bitcoin und dem S&P 500 in den Jahren 2017 bis 2019 fast null war (0,01), in den Jahren 2020 und 2021 aber auf 0,36 stieg. Einfach gesagt: Wenn der Aktienmarkt Angst bekommt, fällt Krypto heute eher mit als früher.
Ein wichtiger Punkt: Korrelation ist keine feste Regel. Gerade das Krypto-Beispiel zeigt, dass sich solche Zusammenhänge mit der Zeit ändern. Nutze sie, um den Markt besser zu verstehen, nicht um ihn vorherzusagen.
Häufige Fehler
- Mit dem kompliziertesten Markt anfangen: Viele springen am ersten Tag in Optionen oder CFDs mit hohem Hebel, ohne den Markt dahinter zu verstehen.
- Den Hebel unterschätzen: Der Hebel macht nicht nur Gewinne größer, sondern Verluste genauso.
- Nur einen Markt beobachten: Du handelst Gold, weißt aber nicht, was der Dollar macht.
- Glauben, Krypto hätte mit dem Rest nichts zu tun: Die IWF-Daten zeigen, dass die Verbindung stärker geworden ist.
- Von Markt zu Markt springen: Jede Woche ein neuer Markt bedeutet, dass du keinen richtig lernst.
Praktische Checkliste
- Ich habe einen Hauptmarkt für den Start gewählt und kenne seine aktiven Zeiten.
- Ich weiß, ob ich den Wert selbst oder einen Vertrag auf seinen Preis handle.
- Wenn ich einen Hebel nutze, weiß ich, was 1 Prozent Kursbewegung für mein Konto bedeutet.
- Ich beobachte ein oder zwei verwandte Märkte (zum Beispiel den Dollar beim Goldhandel).
- Vor jedem Trade kenne ich meinen maximalen Verlust.
Häufige Fragen
Mit welchem Markt fange ich am besten an?
Es gibt keine allgemeine Antwort. Wähle einen Markt, dessen Zeiten zu deinem Leben passen, dessen Handelskosten niedrig sind und über den du leicht Informationen findest. Bleib dann dabei.
Was ist der Unterschied zwischen CFD und Futures?
Futures werden an einer Börse mit Standardverträgen gehandelt. Ein CFD ist ein Vertrag zwischen dir und deinem Broker. In beiden Fällen handelst du den Preis, aber Transparenz, Kosten und Kontraktgröße sind unterschiedlich.
Muss ich alle Märkte kennen?
Nein. Es reicht, deinen eigenen Markt gut zu kennen und zu wissen, welche anderen Märkte ihn beeinflussen.
Warum heißen Derivate Derivate?
Weil sie ihren Wert von einem anderen Wert ableiten. Der Preis einer Gold-Option kommt vom Goldpreis und von nirgendwo sonst.
Fazit
Der Finanzmarkt ist ein großer Supermarkt mit mehreren Gängen: Aktien, Währungen, Rohstoffe und Krypto. Derivate sind verschiedene Eingänge zu genau diesen Gängen. Und vor allem: Die Gänge hängen zusammen. Der Dollar, Angst und Gier im Markt und große Nachrichten wandern wie ein Luftzug von einem Gang zum nächsten.
In den nächsten Artikeln schauen wir uns jeden Gang einzeln und einfach an. Wenn du schneller vorankommen willst, schau dir die kostenlosen Kurse an und wirf einen Blick auf die Profi-Tools unter Software.
In Anlehnung an: BIZ, CFTC, Investor.gov, ESMA, IWF und World Gold Council
Trading ist mit einem erheblichen Verlustrisiko verbunden. Dieser Artikel dient nur der Bildung und ist keine Finanzberatung.
